• Sternstunde von Weltklasseformat

    Posted on April 13, 2012 by in Presse

    Der Konzertfonds Wohlen hat zum ersten Konzert des Jahres mit dem Duo Animi eingeladen

    bos. Es war ein musikalischer Hochgenuss. Erfreulich viele junge Leute waren da. Die Wohler KantischĂŒler und ihre GĂ€ste aus Litauen liessen sich diesen musikalischen Leckerbissen nicht entgehen und blieben.

    Das Klavierduo Arte Animi spielt Klaviermusik fĂŒr vier HĂ€nde. Und wie es spielt!

    Ein Hörgenuss auf höchstem Niveau. Es sind der Wohler Samuel Fried und seine Ehefrau Yuka Munehisa aus Japan, die das Publikum schon nach wenigen Takten in ihren Bann ziehen.  Bild: A. BĂŒrger

    Die Musik atmet organisch

    Den Anfang macht das Rondo in A- Dur von Franz Schubert. Lieblicher könnte es nicht beginnen. Ein wunderschöner Melodienbogen schmeichelt sich ein. Ein weicher Fluss mit vertrauten KlĂ€ngen ist zu hören. Wunderschön, wie organisch die Musik atmet. Spannung und Entspannung wechseln sich wie selbstver- stĂ€ndlich ab. Zu tragenden Basstönen gesellen sich Verzierungen in scharfer Höhe. Nuancenreich wird gestaltet. FeinfĂŒhlige Passagen werden mit raschen LĂ€ufen unterbrochen. Wie tausend schillernde Perlen purzeln die Klaviertöne in den Raum. Das ist Kurzweil. Das macht Spass!

    Schuberts Fantasie in f-Moll zieht andere Register. SchwermĂŒtig kommt sie daher. Und doch ist diese Musik auch lichtdurchflutet. Sie ist mit der Erde verhaftet und hat zugleich etwas HĂŒpfendes. Neben Ernsthaftigkeit blitzt auch Neckisches auf. Zupackend sind die Forti. Daneben fliesst eine weiche Melodie. Und fast schmerzende Reibungen lösen sich immer wieder auf in Harmonie.

    Hörgenuss auf höchstem Niveau: Der Wohler Pianist Samuel Fried und seine Ehefrau Yuka Munehisa aus Japan zogen das Publikum in ihren Bann.

    Töne wie Seifenblasen

    Nun ist Maurice Ravel an der Reihe. Dieser französische Impressionist ist ein KlangkĂŒnstler, ja ein Zauberer mit Tönen und Stimmungen. Eine grosse musikalische Weite tut sich auf. «Ma MĂšre l’Oye» bringt Überraschungen. Dazu erzĂ€hlt Samuel Fried eine kleine Anekdote. Es sind fĂŒnf reizende StĂŒcke, anfĂ€nglich fĂŒr zwei Kinder komponiert. Doch diese waren gar nicht begeistert davon. Zu schwierig. Und jetzt zeigen diese StĂŒcke so viel Leichtigkeit und Begeisterung. Triolen bringen Abwechslung. Und ist da nicht das Zirpen einer Grille hörbar? Und da ein GlockengelĂ€ute? Leere Quinten erinnern an PĂ€rt. Fernöstliche Stimmung schimmert durch diese Musik. Dabei ist der musikalische Bogen immer wieder mit mystischen Elementen durchflutet. HauchdĂŒnne Nuancen bringen etwas Zauberhaftes. Und Glissandi in Off-Beat zĂŒnden wie ein Feuerwerk. Wie unzĂ€hlige, in allen Farben leuchtende Seifenblasen fliegen die Töne in den Raum, machen sich klammheimlich davon und machen neuen Platz. Musikalisches Wechselspiel von Kommen und Gehen.

    Es folgt die Rhapsodie espagnole. Das ist Mystik pur. Da wird es mucks- mĂ€uschenstill im Raum. Geheimnisvoll beginnt das StĂŒck mit einem absteigenden Viertonmotiv. Wie ein Ostinato geht es durch die Komposition. Rasche Figuren im Bass spielen mit ĂŒberraschenden Pianos in hohen Tönen. Das weckt neue Stimmungen. Eine Schaukelbewegung geht durch die Musik.

    Supergenau und sehr dynamisch spielt das Duo. Alles greift wunderbar ineinander ĂŒber. Die Rhapsodie hat auch etwas Explosives, was in den Forti zum Ausdruck kommt. Doch schnell kommt sie wieder zur Ruhe. Auch durchsichtig ist diese Musik, luftig und gespickt mit EinfĂ€llen, mal lieblich, mal markig, immer voll Überraschungen. VertrĂ€umte Motive wechseln mit schnellen LĂ€ufen. TĂ€nzerische Elemente bereichern und die GegensĂ€tze von Forte zu Piano geschehen blitzschnell. Spanische EinfĂ€lle blitzen nur kurz auf. Eilende Motive wechseln mit wohltuender Ruhe. Und herrlich ĂŒberraschend ist der fulminante Schluss.

    Beseeltes, feinfĂŒhliges Spiel

    In dieser Rhapsodie wird der Musik Zeit gegeben und der Gestaltungsraum wird ausgelotet. Wie die beiden KĂŒnstler am Klavier das tun, ist einfach grossartig. Ihr Spielen ist beseelt, feinfĂŒhlig im Ausdruck. Da atmet ein gemeinsames inneres Mitgehen und Mitbewegen. Da musiziert ein Duo mit Weltklasseformat. Das bleibt unvergessen.

    Nach einem herzlichen Applaus folgen zwei Zugaben. Es sind Variationen zum Lied «Im Aargau sind zwöi Liebi». Sie sind lustig und ernsthaft, immer anmutig. Und erfrischend lĂŒpfig ist der «Lenzburger KonfitĂŒrenwalzer». Er ist eine hörenswerte RaritĂ€t. Das Publikum war begeistert. Eine musikalische Sternstunde ging viel zu schnell vorbei.

    Wohler Anziger, 26. MĂ€rz 2012

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